Rettet die Fränkische Schweiz! – Vor Windrädern.

Fränkische Schweiz (über Animaflora)
Fränkische Schweiz (über Animaflora)

Die Fränkische Schweiz ist schön. Das stimmt. Wildromantische Täler, schroffe Felsen, uralte Wälder – wer dort war, versteht die Zuneigung. Und ja: Wer diese Landschaft liebt, darf sich Gedanken machen, was sieben Windräder mit 262 Metern Höhe damit anstellen. Aber dann sollte man ehrlich sein. Ganz ehrlich.

Ein Verein, der vor allem klagt

Der „Verein für den Schutz des Naturparks Fränkische Schweiz“ hat im Februar 2025 Popularklage gegen die Abschaffung der 0,4H-Abstandsregel eingereicht und fördert seit August 2025 eine Normenkontrollklage gegen die Ausweisung der Vorranggebiete auf der Langen Meile. Das ist das Kerngeschäft. Dafür werden Spenden gesammelt, dafür werden Flyer gedruckt, dafür läuft die Website.

Ein legitimes Mittel – keine Frage. Rechtswege stehen offen, und wer sie nutzt, macht nichts Verbotenes. Aber wer 30.000 Euro für Anwälte und Gutachten einsammelt und dabei so tut, als sei das die letzte Verteidigungslinie der Zivilisation, der sollte sich auch einige unbequeme Gegenfragen gefallen lassen.

Die selektive Empörung

Wo ist der Aufschrei gegen die Photovoltaik-Freiflächenanlagen, die sich durch die Landschaft der Region ziehen? Schwarze Monokultur auf Hektar um Hektar – versiegelt, eingezäunt, für Jahrzehnte aus der landwirtschaftlichen oder ökologischen Nutzung herausgenommen. Steinbrüche fressen sich seit Generationen in die Hügel der Fränkischen Schweiz. Gewerbegebiete wachsen. Straßen brechen durch Täler. Dazu: Schweigen.

Sieben Windräder hingegen – und der Verein mobilisiert, sammelt Geld, klagt auf allen Ebenen. Das ist keine konsistente Naturschutzposition. Das ist selektiver Widerstand gegen eine bestimmte Technologie, verkleidet als Heimatliebe.

Die Argumente verdienen Ehrlichkeit

Das Flugblatt des Vereins listet Argumente auf, die teils nachvollziehbar, teils übertrieben und teils schlicht falsch eingeordnet sind. Ja, 4.000 gefällte Bäume sind kein Pappenstiel – und ja, Abstände zu Wohnbebauung sind legitime Diskussionspunkte. Aber PFAS und Bisphenol A aus Fundamenten als Grundwasserbedrohung zu dramatisieren, ohne Belege für konkrete Gefährdungen zu nennen, ist Panikmache. Und den angeblichen Immobilienverlust mit einem RWI-Gutachten zu beziffern, ohne die methodischen Grenzen solcher Studien zu erwähnen, ist unvollständig.

Die eigentliche Frage bleibt unbeantwortet

Wenn keine Windräder, was dann? Der Strom kommt nicht aus der Heimatliebe. Er muss irgendwo erzeugt werden – und wer den Windpark in der Fränkischen Schweiz ablehnt, trägt implizit dazu bei, dass er woanders entsteht. Oder dass fossile Kraftwerke länger laufen. Oder dass Strom importiert wird, dessen Erzeugungsbedingungen niemand kontrolliert.

Diese Fragen stellt der Verein nicht. Er beantwortet sie auch nicht. Er sammelt lieber Geld für die nächste Klage. Die Fränkische Schweiz ist es wert, geschützt zu werden. Aber Schutz braucht Konzepte – keine Spendenkonten.

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