Lange Fahrt, übler Magen: Was Familien bei Reiseübelkeit im Auto wissen sollten

Übelkeit (über nicoletaionescu)
Übelkeit (über nicoletaionescu)

Lange Autofahrten können für viele Familien zur Belastungsprobe werden – besonders wenn Kinder an Reiseübelkeit leiden. Experten und Automobilclubs erklären, warum einem im Auto schlecht wird und was wirklich hilft. Die Ursache liegt in widersprüchlichen Signalen an das Gehirn. Das Gleichgewichtsorgan im Innenohr registriert Kurven, Bremsen und Beschleunigung – die Augen nehmen diese Bewegung aber nicht immer wahr, etwa wenn der Blick auf ein Buch oder Smartphone gerichtet ist.

Das Gehirn kann die gegensätzlichen Signale nicht einordnen und reagiert mit Übelkeit. Kinder sind besonders häufig betroffen, da ihr Gleichgewichtssystem noch empfindlicher auf solche Konflikte reagiert. Dass Fahrern selbst kaum schlecht wird, erklärt sich dadurch, dass sie die Straße im Blick haben und die Fahrzeugbewegung optisch wahrnehmen.

Sofortmaßnahmen bei Übelkeit

Kündigt sich Übelkeit an, helfen oft einfache Maßnahmen: Blick nach vorne auf die Straße oder in die Ferne richten, Handy oder Buch weglegen, den Kopf möglichst ruhig halten, frische Luft ins Auto lassen oder kurz anhalten und aussteigen. Manchen hilft auch ein feuchtes Tuch im Nacken oder im Gesicht.

Vorbeugen: Sitzplatz, Luft und Beschäftigung

Wer schnell unter Reiseübelkeit leidet, ist auf dem Beifahrersitz oft besser aufgehoben als auf der Rückbank. Auf der Rückbank empfiehlt sich ein Platz mit möglichst freiem Blick nach vorne. Gerüche wie Lufterfrischer, Essen oder Zigarettenrauch können Übelkeit zusätzlich verstärken – ebenso wie Hitze im Innenraum. Regelmäßiges Lüften oder moderate Klimaanlage helfen.

Bildschirmzeit sollte auf langen Fahrten mit Kindern möglichst vermieden werden. Beschäftigungen mit Blick nach draußen – etwa Kennzeichenraten oder klassische Reisespiele – sowie Hörspiele und Musik sind deutlich verträglicher. Für Apple-Nutzer gibt es zudem die Funktion „Vehicle Motion Cues“ in den Bedienungshilfen, die bewegte Punkte am Bildschirmrand einblendet und so Unwohlsein bei der Displaynutzung reduzieren soll. Für Android existieren vergleichbare Apps.

Essen und Trinken während der Fahrt

Vor der Abfahrt sollte weder zu viel noch zu wenig gegessen werden. Kleine, leichte Snacks wie Cracker, Toast, Zwieback oder Obstscheiben werden meist gut vertragen. Fettiges oder stark gewürztes Essen kann Übelkeit verstärken. Bei Getränken ist stilles Wasser oder milder Tee meist verträglicher als kohlensäurehaltige Getränke. Ingwer – als Tee, Bonbon oder kandiert – gilt als bewährtes Hausmittel gegen Reiseübelkeit.

Medikamente: Nur nach Absprache

Wenn andere Maßnahmen nicht ausreichen, können Medikamente mit dem Wirkstoff Dimenhydrinat helfen – am besten vor Fahrtantritt eingenommen. Experten betonen jedoch: Bei Kindern sollten solche Mittel nur nach Rücksprache mit einem Kinderarzt eingesetzt werden, da sie müde machen und in seltenen Fällen auch Unruhe oder Reizbarkeit auslösen können. Auch Erwachsene, die selbst fahren, sollten auf mögliche Beeinträchtigung der Reaktionsfähigkeit achten.

Was tun, wenn es zu spät ist?

Kommt es doch zum Erbrechen, gilt: Ruhe bewahren, Spuckbeutel reichen, niemanden abschnallen. Auf der Autobahn bis zur nächsten Ausfahrt oder einem Rastplatz weiterfahren – der Seitenstreifen ist kein regulärer Halteplatz. Feuchttücher und Wechselkleidung griffbereit im Auto zu haben ist auf Familienreisen grundsätzlich empfehlenswert.

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